Ein System für die Laufbahn von 1972
Als das Dreisäulenkonzept 1972 in der Bundesverfassung verankert wurde, war die geradlinige Laufbahn die Regel: Ausbildung, jahrzehntelang derselbe Arbeitgeber, Pensionierung im ordentlichen Rentenalter. Heute wechseln Erwerbstätige häufiger die Stelle, bilden sich laufend weiter, reduzieren ihr Pensum für Betreuungsaufgaben und gehen schrittweise in Pension. Die Architektur der Vorsorge orientiert sich dagegen noch weitgehend am Leitbild der kontinuierlichen Vollzeitstelle.
Vorsorge über das ganze Erwerbsleben denken
Finanzielle Herausforderungen entstehen nicht erst im Alter, sondern während des gesamten Berufslebens. Odermatt plädiert deshalb nicht für mehr Staat, sondern für Instrumente, die Eigenverantwortung stärken. Denkbar wären freiwillige Zeit- oder Geldguthaben, die sich über verschiedene Lebensphasen einsetzen lassen: für Weiterbildung, für Betreuung oder für einen flexibleren Übergang in den Ruhestand.
Die Zukunft der Vorsorge darf nicht ausschliesslich als Finanzierungsfrage verstanden werden
Jörg, VR-Präsident der PensExpert AG
Schrittweise statt radikal
Umfassende Reformen haben es an der Urne schwer. Erfolgversprechender sind laut Odermatt Weiterentwicklungen, die auf bewährten Strukturen aufbauen und dort ansetzen, wo sich die Lebensrealität verändert hat. Die Stärke der Schweizer Vorsorge lag immer darin, Stabilität mit Anpassungsfähigkeit zu verbinden. Diesen Grundsatz gelte es auch für die kommenden Jahrzehnte zu bewahren.