Grosse Wissenslücken rund um die Vorsorge

Prof. Dr. Yvonne Seiler Zimmermann von der Hochschule Luzern untersucht seit 2021 den Wissensstand der Schweizer Bevölkerung rund um Finanzen und ­Alters­vorsorge. Ziel der Studie ist es, die Gesellschaft für dieses Thema zu sensibilisieren und Handlungsoptionen für Verbesserungen aufzuzeigen. PensExpert unterstützt die jährliche Studie als Wirtschaftspartner.

Yvonne Seiler Zimmermann, Sie führen seit vier Jahren eine Studie durch, die den Wissensstand der Schweizer Bevölkerung zur Altersvorsorge untersucht. Welche Entwicklungen sehen Sie in diesem Zeitraum?

Das Vorsorgewissen hat sich leider nicht verbessert, obwohl in den vergangenen Jahren im Rahmen wichtiger Abstimmungen viel informiert und diskutiert wurde. Das Wissen darüber, wie die Altersvorsorge in der Schweiz mit ihren drei Säulen konkret funktioniert, ist dennoch eher gering. Bemerkenswert ist für mich, dass insbesondere im Bereich der persönlichen Altersvorsorge grosse Wissenslücken bestehen – obwohl dieses Thema jeden betrifft


Was sind die Gründe für den bescheidenen Wissensstand?

Die jüngeren Generationen beschäftigen sich generell wenig mit der Altersvorsorge, obwohl gerade für sie die Hebelwirkung am grössten wäre, da sie noch einen langen Anlagehorizont haben. Jedoch erscheint nach der Ausbildung das Rentenalter einfach noch zu weit entfernt. Wenn die Pensionierung jedoch kurz bevorsteht, fehlt oft der Spielraum, persönliche Vorsorgelücken noch zu korrigieren. Mit unserer Studie möchten wir das Bewusstsein dafür schärfen.

Rund 40 Prozent der Befragten verstehen zum Beispiel den eigenen Vorsorgeausweis wenig oder gar nicht. Besonders besorgniserregend ist jedoch, dass viele dieser Personen nicht bereit sind, sich eigenständig zu informieren und ihre Wissenslücken zu schliessen. Die meisten empfinden das Thema als zu kompliziert oder scheuen den Aufwand.

Die jungen Generationen beschäftigen sich generell wenig mit der Altersvorsorge, obwohl für sie die Hebelwirkung am grössten wäre.

Prof. Dr. Yvonne Seiler Zimmermann, Hochschule Luzern

Welche Auswirkungen haben diese Wissenslücken für den Einzelnen?

Das Hauptproblem ist nicht nur das fehlende Wissen, sondern vor allem die Unkenntnis über die eigenen Wissenslücken, die wir in unseren Studien immer wieder feststellen. Wer fälschlicherweise meint, gut informiert zu sein, wird sich weniger beraten lassen und trifft unweigerlich Fehlentscheidungen in der persönlichen Altersvorsorge.

Das Hauptproblem ist die Unkenntnis über die eigenen Wissenslücken.

Prof. Dr. Yvonne Seiler Zimmermann, Hochschule Luzern

Welches sind die grössten Sorgen der Schweizer Bevölkerung rund um das Thema Vorsorge?

Der demografische Wandel und das weiterhin tiefe Zinsumfeld gefährden die nachhaltige Finanzierung der zweiten Säule. Die Arbeitnehmenden in der Schweiz sind sich dieser Herausforderungen mehrheitlich bewusst. Rund drei von fünf Befragten glauben nicht, dass sie im Alter genug Geld aus der AHV und der zweiten Säule erhalten werden, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Besonders interessant ist: Frauen vertrauen dem Vorsorgesystem noch weniger als Männer.

Unsere Altersvorsorge basiert nicht nur auf der AHV und der beruflichen Vorsorge, sondern auch auf Eigenverantwortung – insbesondere bei der dritten Säule.

Der Staat muss ein Interesse daran haben, dass die Bevölkerung über ein gutes Vorsorgewissen verfügt. Dies stärkt die Eigenverantwortung und entlastet die Sozialausgaben, beispielsweise bei Sozialhilfe oder Ergänzungsleistungen. Gut informierte Versicherte unterstützen zudem notwendige strukturelle Anpassungen im Vorsorgesystem. 

Das Vertrauen ins Vorsorgesystem ist gering

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Hinweis: Die diesjährige Studie erscheint am 4. September 2025.