Wer heute eine Auszeit von der Erwerbsarbeit nehmen oder sich vorübergehend hauptsächlich um Kinder oder andere Angehörige kümmern möchte, spart in der Regel vorab und versucht, ein Zusatzeinkommen zur Finanzierung des Erwerbsunterbruchs zu erzielen. Das Problem dabei? Während der Auszeit fehlt das Erwerbseinkommen, und der Versicherungsschutz muss selbst bezahlt werden. Auch die Altersrente leidet, da keine Beiträge in die Pensionskasse fliessen.
Deutschland macht vor, wie das System deutlich flexibler gestaltet werden könnte. Zeitwertkonten ermöglichen es Arbeitnehmenden, Überstunden, Urlaubstage und Boni auf ein spezielles Konto einzuzahlen. Diese Einzahlungen werden zunächst nicht mit Steuern oder Sozialabgaben belastet, sondern direkt vom Unternehmen auf das Konto überwiesen. Erst bei der Auszahlung sind Steuern und Abgaben fällig. Das Geld ist im Fall einer Insolvenz des Arbeitgebers geschützt, da es an eine Vorsorgeeinrichtung übertragen wird. Die Erfahrung des Ablegers von PensExpert in Deutschland zeigt: Das Zeitwertkonto hat sich sowohl bei Konzernen wie L’Oréal oder der Deutschen Bank als auch bei KMU aus verschiedensten Branchen bewährt.
Die Bevölkerung befürwortet die Möglichkeit, eine Auszeit mit einem speziellen, zusätzlichen Konto zu finanzieren.
Mario Bucher, Leiter Produkt- und Unternehmensentwicklung
In der Schweiz existieren ähnliche Modelle, beispielsweise bei der SBB. Doch die aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen machen die flächendeckende Einführung eines Zeitwertkontos schwierig. Das BVG erlaubt Vorbezüge nur für Wohneigentum, Selbstständigkeit oder beim Wegzug aus der Schweiz. Um etwa die Finanzierung einer verlängerten Elternzeit zu ermöglichen, müsste das BVG angepasst werden. Gemäss der Studie VorsorgeDIALOG 2022 der Hochschule Luzern wäre das im Sinne der Bevölkerung.
Ein zusätzliches Vorsorgekonto hätte nicht nur Vorteile für Arbeitnehmende, sondern auch für Arbeitgebende. Durch die Möglichkeit, für künftige Auszeiten zu sparen, würden Unternehmen ihre Attraktivität erhöhen und die Fluktuation verringern. Besonders in Zeiten des Fachkräftemangels könnte dies ein entscheidender Vorteil bei der Rekrutierung und Bindung von Mitarbeitenden sein. Zudem entlastet es die Bilanz, da Überstunden aus der Bilanz herausgenommen werden, sobald sie in die Vorsorgeeinrichtung übertragen werden.